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Über Eisschichten, Anerkennung und Selbstwert

Eisschicht (© Enno Kingma - Fotolia.com)Hast du dich schon einmal auf einen zugefrorenen See oder Weiher gewagt? Und hast du dich dabei gefragt, ob das Eis dein Gewicht hält? Wenn es nicht hält, hat das gravierende Folgen: ein Bad im eisigen Wasser. Lebensgefahr!

Ob das Eis hält oder nicht, ist unter anderem von der Dicke der Eisschicht abhängig. Dickes Eis ist sicher, während dünnes Eis gefährlich ist.

In der letzten Folge des TA audio Podcasts habe ich im Gespräch mit Christin Nierlich  Eisschichten in Zusammenhang mit Lob und Zuwendung erwähnt. Im Beitrag
Was jemand tut, ist nicht, was jemand ist habe ich bereits darüber geschrieben. In diesem Beitrag nehme ich den Gedanken noch einmal auf.

Strokes

In der Transaktionsanalyse wird jede Form von Anerkennung als Stroke bezeichnet. Eine solche Einheit der Anerkennung kann positiv oder negativ sein. Das englische Wort stroke kann für einen Schlag stehen oder auch für eine Streicheleinheit. Da ein entsprechendes deutsches Wort fehlt, wird im meist auch im deutschsprachigen Raum der englische Begriff verwendet. Ein Stroke kann an eine Bedingung (Verhalten, Aussehen etc.) geknüpft werden oder bedingungslos sein. Kombiniert man bedingungslos/bedingt mit positiv/negativ ergeben sich vier Arten von Strokes:

  • positiv – bedingungslos (Wertschätzung)
  • positiv – bedingt (Lob)
  • negativ – bedingt (Kritik)
  • negativ – bedingungslos (Ablehnung)

Alle Strokearten können mit Worten oder ohne Worte vermittelt werden.

Grundlage für Selbstwert und Selbstvertrauen

Ein Kind braucht in der ersten Phase seines Lebens positive, bedingungslose Anerkennung. Das Mass, mit welchem es sich willkommen und geliebt fühlt, wird Einfluss auf das aktuelle und spätere Selbstwertempfinden haben. In der Eismetapher gesprochen, wird hier bestimmt, wie dick und somit tragfähig die Eisschicht wird.

Später wird das Kind Lob erfahren. “Das hast du gut gemacht.” Diese positiv-bedingte Form der Anerkennung baut Selbstvertrauen auf. Weiter ist dann auch Kritik wichtig, damit das Kind lernt, wo die Grenzen sind und welches Verhalten nicht toleriert wird.

Negativ-bedingungslose Strokes sind nur destruktiv und werden idealerweise einem Kind nicht vermittelt.

Was für Kinder gilt, gilt auch für Erwachsene:

Basis für ein gutes Selbstwertempfinden sind positiv-bedingungslose Strokes (Wertschätzung) und für Selbstvertrauen positv-bedingte Strokes (Lob).

Dabei haben die früheren Erfahrungen genauso wie das aktuelle Erleben ihren Einfluss.

Strokeschichten

Grafisch dargestellt sieht das so aus:

Strokeschichten

Obwohl die negativ-bedingungslosen Strokes destruktiv und daher nicht wünschenswert sind, werden sie im Alltag leider trotzdem vermittelt. Sind die beiden unteren Schichten genügend tragfähig, hat diese destruktive Form der Anerkennung in der Regel keine schwerwiegenden Folgen.

Geringes Selbstwertgefühl

Geringes Selbstwertgefühl

Sehen die Strokeschichten so aus, wird diese Person sich durch ihre Leistung definieren. Fehlender Erfolg wird eine Krise zur Folge haben, weil die Basis des Selbstwertes fehlt bzw. zu schwach ist.

Geringes Selbstvertrauen

Geringes Selbstvertrauen

Erhält jemand zusätzlich auch wenig Lob, wird auch das Selbstvertrauen eher klein sein. Hat sich das über die Jahre eingespielt, wird die Person Mühe haben, Lob anzunehmen. Es kann dann sogar sein, dass unbewusst Fehler und Misserfolg herbeigeführt werden, um die bekannten Strokes zu erhalten.

Selbstwert und Selbstvertrauen aufbauen

Es gibt kein Rezept, um das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen zu erhöhen. Und vor allem wird das auch nicht etwas sein, das von heute auf morgen erledigt ist. Doch wenn du bewusst den Kontakt und Zeit mit Menschen suchst, die es gut mit dir meinen und dir positive Strokes geben, wird sich diesbezüglich etwas verändern.

Willst du dein Selbstwertgefühl stärken, dann verbringe Zeit mit Leuten, von denen du positive, bedingungslose Anerkennung erhältst.

Es braucht nicht viele Menschen, die dich so annehmen wie du bist, um dein Selbstwertempfinden zu steigern. Qualität ist hier wichtiger als Quantität.

Hast du eine gute Basis des Selbstwert, doch es mangelt an Selbstvertrauen, dann suche nach Möglichkeiten und Menschen, von denen du echtes Lob erhältst. Auch hier gilt: Qualität geht vor Quantität.

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Transaktionsanalyse für's Ohr

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Podcast zur Transaktionsanalyse

Seit heue Morgen ist die erste Folge des neuen Podcasts TA audio online. In der Kategorie Talk unterhalten sich Christin Nierlich und ich während rund zehn Minuten über Situationen aus dem Alltag und beziehen uns dabei auf Themen aus der Transaktionsanalyse. Jeweils anfangs Monat erscheint eine neue Folge. Später werden wir den Podcast durch die Kategorien Training und Interview erweitern.

In der heute veröffentlichen Folge geht es um Taschen und … ach … am besten hörst du selber rein: www.transaktionsanalyse.audio.

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Webinar “Transaktionsanalyse kennenlernen”

Präsentation zum Webinar “Transaktionsanalyse kennenlernen”:


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