Ein Seminar, das nur in intellektuellen Koliken endet, lohnt sich kaum.

Intellektuelle Koliken

Ein Seminar, das nur in intellektuellen Koliken endet, lohnt sich kaum.

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interview TA live

TA live Interview

Christin Nierlich interviewt im Rahmen ihres Projektes ta-live.de Transaktionsanalytikerinnen und Transaktionsanalytiker. Hier ist das Interview, das sie mit mir geführt hat.

Weitere Interviews findest du auf ta-live.de.

 

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Foto: leedeea / freeimages.com

Michael allein unterwegs

Mir gegenüber sitzt Michael. Ein 40jähriger Mann, der unglücklich wirkt. Dann beginnt er zu erzählen.

Foto: leedeea / freeimages.com

Michael war jahrelang als LKW-Fahrer tätig. Nicht als Fahrer, der mit seinem Laster Firmen oder Baustellen in der Region bedient, nein, Michael war Fernfahrer. Er berichtet mir davon. Wochenlang von Zuhause weg. Im Laster mit sich alleine. Das Pflegen von Freundschaften – schwierig.

Der ursprüngliche Traum von Freiheit hat sich in einen Albtraum der Einsamkeit verwandelt.

Mittlerweile hat Michael diesen Job an den Nagel gehängt. Er kann nicht mehr. Er will nicht mehr. Das viele Alleinsein hat ihm zugesetzt. Ich habe nun auch eine Antwort auf die Frage, weshalb er unglücklich wirkt. Die Kündigung des Fernfahrerjobs war nicht das Ende aller Probleme. Er ringt mit sich selbst. Überlegt hin und her, was er in all den Jahren verpasst hat. Hobbys, Freundschaften, Familie …

Das Gespräch mit Michael beschäftigt mich weiter. Wieviele Frauen und Männer sind ähnlich wie er allein unterwegs? Nicht am Steuer eines Lastwagens, sondern an Bürotischen, Maschinen oder anderen Orten, wo sie tätig sind. Vielleicht umgeben von Menschen und doch alleine.

Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.

Das steht schon auf den ersten Seiten der Bibel. Wir Menschen brauchen Kontakt mit anderen Menschen. Eric Berne, der Begründer der Transaktionsanalyse, bezeichnet es als ein menschliches Grundbedürfnis, von anderen Anerkennung und Zuwendung zu erhalten. Wird dieses Grundbedürfnis nicht oder zu wenig gestillt, leiden wir. In der Transaktionsanalyse wird für eine Einheit der Anerkennung und Zuwendung der Begriff Stroke verwendet. Strokes können sich auf das Sein des Menschen beziehen (bedingungslos) oder auf das Verhalten oder eine Leistung (bedingt).

Zurück zu Michael. Während seiner Fahrten hat er wenig Strokes erhalten. Und wenn, waren sie eher oberflächlicher Natur: an der Tankstelle, im Restaurant, auf Raststätten. Er litt diesbezüglich an Mangelerscheinungen.

Man muss nicht als Fernfahrer unterwegs zu sein, um mit Strokes unterversorgt zu sein.

Wo erhältst du Zuwendung und Anerkennung, die über den oberflächlichen Austausch von Nettigkeiten hinausgeht? Wer sind die Menschen, die dich bedingungslos anerkennen und dir das auch zeigen? Wo kannst du deinen Tank an Strokes füllen, damit es auch für Zeiten reicht, in denen du allein unterwegs bist?

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